„Schön bist du meine Freundin“

Auf meiner LET-Reise im Juni 2026 erlebte ich einen sehr berührenden Moment, den ich gerne als Ermutigung mit euch teilen möchte:
Ich stand mit meinem LET-Mobil in der Nähe von Bremen am Weserdeich und hörte zu meiner eigenen Erbauung eine Auslegung zu Hohelied 1,15 an. Dabei viel mir der Blick auf die Schäfchen vor mir am Weserdeich (siehe Bild oben)
Und Jesus sprach direkt zu meinem Herzen:

„Schön bist du meine Freundin (ra’yati)!“
meine Gefährtin beim Hüten meiner Schafe, du Mithirtin meiner Schafe

Das Wort רַעְיָתִי (raʿyātî) kommt nur im Hohelied als Anrede der Geliebten vor.
Viele Lexika leiten es von einer Wurzel ab, die mit רעה (rāʿāh) zusammenhängt. (Vgl. Jer23,4)
Diese Wurzel kann je nach Form bedeuten: weiden, hüten, Hirte sein.
Einige jüdische und christliche Ausleger weisen darauf hin, dass im Hohelied das Thema des Weidens und Hütens immer wieder vorkommt:
  • Hohelied 1,7: „Wo weidest du die Herde?“
  • Hohelied 2,16: „Er weidet unter den Lilien.“ usw.
Dadurch sehen sie in raʿyātî mehr als nur „Geliebte“. Sie hören im Wort einen Anklang an:
  • die Gefährtin des Hirten,
  • die Mit-Hirtin,
  • die zur Herde Gehörende, die am Weiden und Hüten Anteil hat.

Im alten Orient wird der König als der von Gott eingesetzte Hirte bezeichnet
Weiden“ ist ein Bild für seine Aufgabe des Regierens!
Die Sorge um die Schwachen gehört von diesem Bild her zu den Aufgaben des gerechten Herrschens.
Jesus gibt uns die Würde, indem er uns in diese Aufgabe mit hinein nehmen möchte.
Dreimal sagt der Herr zu Petrus: „Weide meine Lämmer“ (bzw. „meine Schafe“: Joh 21,15-17).

Jesus gibt Petrus darüberhinaus  einen überaus wichtigen seelsorgerischen Rat für diese so verantwortungsvolle und auszehrende Arbeit mit:
„Liebst du mich mehr als diese?“
Jesus schaut mit dieser dreimaligen Frage nicht mit einem vorwurfsvollen Augenzwinkern zurück auf seine dreimalige Verleugnung,  sondern er schaut mit ihm nach vorne auf die neue große gemeinsame Aufgabe des Mit-ihm-Hirte-seins.

Auch wir Lehrer und Erzieher brauchen für unsere tägliche Arbeit in Kita und Schule dieses göttliche „mehr an Liebe“, das er uns immer wieder neu geben möchte.
Wir dürfen dabei auch getrost wie Jesus in seinem Gleichnis 99 Schäfchen zurücklassen, d.h. wir müssen uns nicht die Sorgen und Lasten aller Schüler aufbürden. Es reicht, mit ihm zusammen, aus seiner Liebe, HEUTE nur dieses EINE Schäfchen zu sehen zu segnen, zu umbeten, …