Ermutigung zum Schuljahresanfang 2026

Fünf Brote und zwei Fische – Lukas 9,10–17

Nicht „Du musst genug haben“,
sondern „Bring Jesus das Wenige, das du hast – und vertraue darauf, dass er damit handelt.“

Ein neues Schuljahr beginnt.

Vielleicht mit Vorfreude,
vielleicht auch mit einem gewissen Respekt,
vielleicht wie bei Paulus: „Ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern…“ 1Kor2,3

Neue Klassen, neue Schüler, neue Herausforderungen. Kinder und Jugendliche, die ganz unterschiedliche Geschichten mitbringen. Manche voller Hoffnung, manche voller Verletzungen. Manche hungrig nach Wissen – andere vielleicht nach Anerkennung, Liebe und einem Menschen, der sie wirklich sieht.

Und vielleicht kennen wir dabei auch das Gefühl der Jünger im Evangelium:

„Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische.“

Das ist nicht viel für fünftausend Menschen.
Aber genau dort beginnt das Wunder.

Jesus führt seine Jünger nicht zuerst zu dem, was ihnen fehlt.
Er fragt sie:

Was hast du? Was ist schon da? Was kannst du mir geben?

Und darin liegt eine wunderbare Botschaft für uns Lehrer,
zu der ich auf der Zeltstadt Nordalb Anfang August 26 im Kindergottesdienst von Gabriela und Michael Kienapfel inspiriert wurde:

  1. Erkenne und benenne die Not vor Jesus!

Die Jünger sehen die Menschenmenge. Sie sehen, dass es Abend wird.
Sie sehen die Einsamkeit dieses Ortes. Und sie kommen zu Jesus:
„Schick die Leute weg!“

Jesus aber sagt: „Gebt ihr ihnen zu essen!“

Die Jünger nehmen die Not wahr. Und das ist der erste Schritt.

Auch wir dürfen als christliche Lehrer die Not unserer Schüler sehen.

Vielleicht ist es nicht nur die offensichtliche Not.
Vielleicht ist ein Schüler aggressiv, weil er selbst verletzt ist.
Vielleicht zieht sich ein anderer zurück, weil er sich wertlos fühlt.
Vielleicht braucht jemand nicht zuerst eine bessere Note, sondern einen Menschen, der ihm vermittelt: „Du bist gesehen. Du bist wertvoll. Du darfst hier sein.“

Wir müssen diese Not nicht selbst lösen.
Aber wir dürfen sie vor Jesus bringen.

„Herr, du siehst diesen Schüler.“
„Herr, du kennst seine Geschichte.“
„Herr, ich weiß nicht, was ich tun soll – aber du weißt es.“

Das Gebet des Lehrers beginnt nicht mit der eigenen Kompetenz,
sondern mit dem Hinhalten der Not vor Christus.

  1. Nimm die göttliche Herausforderung an!

Jesus sagt etwas eigentlich Unmögliches:
„Gebt ihr ihnen zu essen!“

Die Jünger könnten sagen:
„Das ist unrealistisch.“
„Dafür sind wir nicht zuständig.“
„Wir haben nicht genug.“

Und genau diese Reaktion kennen wir vielleicht auch.

Jesus sagt nicht: „Ihr könnt alles.“
Er sagt: „Gebt ihr ihnen zu essen.“

Das bedeutet: Nimm die Verantwortung für das an, was Jesus dir anvertraut.

Du kannst nicht die ganze Schule verändern.
Du kannst nicht jeden Schüler retten.
Du kannst nicht jede familiäre Situation lösen.
Du kannst nicht alle Probleme des Bildungssystems beheben.

Vielleicht sagt Jesus zu dir:
„Ich habe auch 99 Schäfchen zurücklassen müssen, um dieses EINE zu finden …

„Gib diesem EINEN Schüler heute etwas von meiner Liebe.“
„Schenke dieser EINEN Klasse deine Geduld.“
„Sprich dieses EINE ermutigende Wort.“
„Sieh diesen EINEN Menschen an.“

Die göttliche Herausforderung besteht nicht darin, etwas zu tun, was über unsere Kräfte hinausgeht.

Sie besteht darin, Gott zu erlauben, durch das Wenige zu handeln, das wir ihm geben.

  1. Schau auf das, was vorhanden ist!

Die Jünger sagen:
„Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische.“

Sie sehen zuerst das Defizit: „Nur fünf Brote.“
Jesus aber sieht die göttlichen Möglichkeiten.

Das ist vielleicht eine der wichtigsten geistlichen Übungen für Lehrer:
Nicht zuerst fragen: „Was fehlt mir?“

Sondern: „Was hat Gott mir bereits gegeben?“

Vielleicht hast du pädagogisches Geschick.
Vielleicht kannst du gut zuhören.
Vielleicht kannst du Humor einsetzen.
Vielleicht kannst du einen schwierigen Schüler besonders gut erreichen.
Vielleicht hast du Geduld.
Vielleicht hast du Kreativität.
Vielleicht hast du Erfahrung.
Vielleicht hast du eine tiefe Liebe zu jungen Menschen.
Vielleicht hast du Sehnsucht für sie zu beten

Vielleicht hast du einfach nur ein Herz, das sagt:
„Herr, ich möchte für diese Kinder/Jugendlichen da sein.“

Das ist dein Brot, für das du heute morgen im Vaterunser gebetet hast:
„Unser überwesentliches (epiousios) Brot für unsere Seele gib uns heute!“

Und Jesus beginnt nicht mit dem, was fehlt.
Er beginnt mit dem, was vorhanden ist.

„Nicht mehr lebe ich,
sondern Christus lebt in mir, glaubt in mir, handelt in mir, liebt in mir…!“

(frei nach Gal2,20)

  1. Gib das weiter, was du hast!

Die Jünger behalten die Brote nicht für sich.  Sie geben sie Jesus.
Und Jesus nimmt sie.

Das ist der entscheidende Moment.

Das Wenige wird in die Hände Jesu gelegt.

Vielleicht können wir zu Beginn dieses Schuljahres genau das tun:

„Jesus, hier sind meine fünf Brote.“

Meine fachlichen Fähigkeiten.
Meine Erfahrung.
Meine Zeit.
Meine Kreativität.
Meine Geduld.

Aber auch:
Meine Schwachheit
meine Grenzen,
meine Müdigkeit,
meine Unsicherheit,
meine Angst vor diesem Schuljahr.

Alles lege ich in deine Hände.

Denn das Wunder geschieht nicht dadurch, dass die Brote plötzlich besonders groß werden.

Das Wunder geschieht dadurch, dass Jesus das Wenige nimmt, segnet, bricht und austeilt.

Das ist eine zutiefst eucharistische Bewegung:
Nehmen – danken – brechen – geben.

Und vielleicht darf auch unser Lehrerleben etwas davon spiegeln.

Wir lassen uns von Christus nehmen.
Wir lassen uns von ihm segnen.
Wir lassen uns von ihm „brechen“ – dort, wo unsere Selbstgenügsamkeit zerbricht.
Und dann werden wir ausgeteilt:

für unsere Schüler, für unsere Kollegen, für unsere Schule.

  1. Vertraue darauf, dass Gott handelt!

Der vielleicht wichtigste Punkt: Die Jünger müssen das Wunder nicht machen.

Sie müssen nur das tun, was Jesus ihnen aufträgt.

Jesus übernimmt das Entscheidende.

„Er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel und segnete sie; und er brach sie und gab er sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten.“

Die Jünger teilen aus.
Aber Jesus vermehrt.

Das ist eine große Entlastung für christliche Lehrer.
Du bist nicht der Retter deiner Schüler.

Jesus ist der Retter.

Du bist nicht die Quelle.
Christus ist deine Quelle in dir.

Du musst nicht aus eigener Kraft Frucht hervorbringen.
Du darfst durchlässig werden für das, was Christus schenken möchte.

Vielleicht wirst du nie erfahren, was durch ein einziges Wort von dir geschehen ist.
Vielleicht erfährst du erst Jahre später, dass ein Schüler sich an einen Satz erinnert hat.
Vielleicht wirst du überhaupt nichts davon sehen.

Aber: Du musst das Wunder nicht sehen, um ihm zu vertrauen.

Und dann sind da noch die zwei Fische

Die fünf Brote können uns an das erinnern, was wir haben und geben können.
Aber die zwei Fische dürfen uns an etwas noch Tieferes erinnern:
Gott sieht und Gott sorgt.

  1. Gott sieht  – Du bist ein Gott, der mich sieht!“ 1Mose16,13

Jesus sieht die Menschenmenge.

Er sieht ihre Bedürftigkeit.
Er sieht ihren Hunger.
Er sieht ihre Müdigkeit.

Und er sieht auch Dich!

Er sieht deine Anstrengung.
Er sieht die Stunden, die niemand wahrnimmt.
Er sieht dein Herzblut
Er sieht auch deine Erschöpfung.
Er sieht die Situationen, in denen du nicht weiterweißt.

Vielleicht ist das eine der schönsten Zusagen für den Beginn des Schuljahres:

Du musst nicht von Menschen gesehen werden,
wenn du weißt, dass du von Gott gesehen wirst.

Dein Wert hängt nicht davon ab, ob Schüler dich anerkennen.
Nicht davon, ob Kollegen dich loben.
Nicht davon, ob Eltern deine Arbeit würdigen.

Jesus sieht dich.
Du darfst es aus Liebe zu ihm, ja mit ihm tun.

  1. Gott sorgt

Die Jünger sehen fünf Brote und zwei Fische.
Jesus sieht eine Mahlzeit für fünftausend Menschen.

Die Jünger rechnen.
Jesus vertraut dem Vater.

Und am Ende heißt es: „Und alle aßen und wurden satt.“

Es heißt am Ende: Es blieben 12 Körbe voll übrig!
Jesus ist gekommen, damit wir Leben im Überfluss haben (Joh10,10)

Wie haben einen Gott der Überfülle – Du hast alles was du brauchst!

Gott sorgt.

Nicht unbedingt so, wie wir es erwarten.
Nicht unbedingt sofort.
Nicht immer sichtbar.

Aber wir dürfen ihm unsere fünf Brote und zwei Fische geben.

Und dann dürfen wir sagen:

„Herr, ich kann nicht für alle sorgen.
Aber du kannst es zu seiner Zeit
Ich kann nicht jedes Leben verändern.
Aber du kannst es zu seiner Zeit
Ich kann nicht jedes Herz erreichen.
Aber du kannst es zu seiner Zeit

Ich gebe dir, was ich habe.
Und ich vertraue dir, dass du damit tust, was ich nicht tun kann.“

Ein kleines Gebet zum Schulanfang

Herr Jesus Christus,

hier bin ich.
Hier sind meine fünf Brote und meine zwei Fische.
Ich bringe dir das, was ich habe.

Nimm es.
Segne es.
Brich es.
Und teile es aus.

Die Frucht kommt nicht aus meiner Kraft, sondern aus deinem Geist. (Sach 4,6) Amen