FREIMUT

„Als der Hohe Rat aber die Freimütigkeit des Petrus und Johannes sahen und bemerkten, dass es ungelehrte und ungebildete Leute seien, verwunderten sie sich …“  AG 4,13

Petrus und Johannes wagten zu irritieren.
Und wir heute?
Glatt, anschmiegsam, verträglich, nett – wie steht es heute mit unserem christlichen Zeugnis?
Wo es unauffällig wird, wird es beliebig. Aber Beliebigkeit passt nun wirklich nicht zum Gott der Bibel! Zum Schöpfer Himmels und der Erden. Zum Herrn aller Herren und König aller Könige. Zu dem, der das Heil aller Menschen will.

Christen sind die Zeugen eben dieses Gottes! Ein spannendes Wort. Denn Zeuge heißt im Wortlaut des NT ‚martys‘.
Zeugen sind nicht Menschen, die mal eben beiläufig und ganz beliebig und relativ ihren Senf auch noch dazu geben.
Nein.
Zeugen sind Menschen, die mit ihrer ganzen Existenz – und wenn es sein muss, mit ihrem ganzen Leben! – für die Wahrheit des Evangeliums stehen.

Naturwissenschaftliche und philosophische Wahrheit erschöpft sich in der Schlüssigkeit ihrer Argumentation – der Wahrheitsbeweis der Christen dagegen besteht in der Authentizität ihres Lebens und – wenn nötig – auch in der liebenden Bereitschaft, für diese Wahrheit sich benachteiligen, verleumden, lächerlich machen zu lassen…

„Ungelehrte und ungebildete Leute“
In der Ursprache des NT klingt das so: „aggrammatoi kai idiotai“ – also: ungebildete Idioten!!!
Für solche hielt man sie. Und war deshalb maßlos erstaunt über ihren Freimut.
Parräsia: Freimut – das ist das zentrale Wort unseres Textes.
Es stammt aus der politischen Sprache seiner Zeit.
Parräsia galt als wesentliches Merkmal der griechischen Demokratie, das Kennzeichen der in ihr herrschenden Freiheit.

Da, wo Menschen vor Gott die Freien sind, können sie es auch vor aller Welt sein. In 3.Mose 26,13 heißt es:
„Denn ich bin der HERR, euer Gott, der euch aus Ägyptenland geführt hat, dass ihr nicht ihre Knechte bleibt, und habe euer Joch zerbrochen und habe euch aufrecht einhergehen lassen.“  In der Septuaginta wird „aufrecht einhergehen“ mit parräsia übersetzt!

Wage ich zu irritieren? Nicht durch meine Eigentümlichkeit oder Plumpheit. Nicht durch undurchdachtes Reden oder fanatisches Handeln. Sondern durch eine hin und wieder geradezu idiotisch anmutende Eindeutigkeit.

Genügt es nicht, einfach in Deckung zu bleiben und die Kräfte zu schonen, bis die Lage wieder günstiger wird?
Die alte Kirche lehrt: Freimut lohnt sich! Das Zeugnis der ersten Christenheit geschah unter unzähligen Risiken und Opfern. Und hatte gesellschaftliche und politische Folgen.
Das römische Reich ist längst dahin, das Reich Gottes lebt. Und nahezu alles, was heute unsere westliche Demokratie ausmacht, haben wir vielen mutigen Zeugen Christi zu verdanken! „Mir scheint, heute braucht der Herr mehr denn je eine Avantgarde der Beherzten. Es braucht Leute, die frei sind von der feigen Angst um ihre Habe, ihre Stellung –  kleine Leute, die nur wissen, dass sie nötig sind, sich aber nicht einbilden, wichtig zu sein – Dienstmutige.“
Diese Avantgarde der Beherzten, das sind die mit Freimut! Die, die zu aller Zeit nottun. Sie sind notwendig, weil Gott durch ihr Zeugnis der jungen Generation wieder Orientierung geben will und Not wenden will und wird.
(nach Klaus Sperr in Salzkorn 4/18)
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