Präsent sein für die Präsente Gottes – Teil 1

Neulich zog es mich beim ABI korrigieren vom Schreibtisch weg hinaus in die wunderbare Natur, um ein wenig auszuruhen und mit Gott im Frühlingsgarten „lustzuwandeln“.
„Komm, mein Liebster, in deinen Garten und genieße die köstlichen Früchte!“ Hohelied 4,16
Da entdeckte ich eine Spitzmorchel im frischen Rindenmulch.
Ich ging betend weiter und fand zwei weitere Morcheln unter einem unserer alten Obstbäume.
Mein „Jagdfieber“ war geweckt.
Die drei Morcheln in einer Hand tragend, suchte ich weiter auf der benachbarten Streuobstwiese. Die ABI-Korrekturen auf meinem Schreibtisch konnten schließlich warten.

Nach ein paar Minuten wollten die nächsten zwei Pilze von mir eingesammelt werden.
Ich war im Flow und vergaß die Zeit.
Die Glückshormone brachten die Synapsen in meinem Gehirn zum Tanzen und Lobpreisen.
Bald türmten sich die Morcheln in meinen beiden Händen.

Ich schaute auf die Uhr und stellte fest, dass es höchste Zeit war umzukehren.
Beide Hände waren mittlerweile so voll, dass ich sie gegen meine Brust hielt, um keinen der wertvollen Schätze zu verlieren. Was sollte ich tun, wenn ich auf dem Rückweg weitere kostbare Morcheln finden sollte?
Warum nur hatte ich meinen Pilzkorb nicht mitgenommen?

Ich suchte auf dem Rückweg intensiv weiter und tatsächlich fand ich noch weitere ergiebige Stellen, so dass ich mein T-Shirt aus der Hose ziehen musste, um alle Morcheln nach Hause tragen zu können. Ich fühlte mich an das Märchen von Sterntaler erinnert, das sich und seine Zeit verschenkte und am Ende mit einem Hemd voller Goldtaler nach Hause kam.

Finden ist immer Gnade, überraschendes Geschenk: Gottes-Präsent.
Aber die Vorrausetzung ist meine positive Erwartungshaltung, mein suchendes Herz,
die Erfahrung und das feine Gespür für den Augenblick Gottes, das sich durch jahrelanges ausharrendes – mal mehr und mal weniger erfolgreiches – Suchen als Glaubenskompetenz entwickelt hat.
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern . . .
. . . von jedem Wort, das Gott zu mir persönlich spricht und spricht und spricht … (vgl. Mt 4,4)
. . . von jedem Präsent (Gnaden-Geschenk), das ich mit all meinen Sinnen präsent für Gottes Gegenwart empfange und in meiner Seele sammeln und weiterschenken darf.
So empfange ich Tag für Tag Gnade um Gnade aus seiner Fülle. (vgl. Joh 1,16)

(Teil 2 nächsten Mittwoch)

Teile diesen Beitrag